für ein friedliches Miteinander von Taube und Mensch
Freitag, 20. Juni 2014 - 20:14 Uhr

Hazel hat es nicht geschafft...

Hazel wurde uns durch ein engagiertes Mitglied gemeldet. Sie saß den halben Tag auf den Treppenstufen des S-Bahnhofes Hasselbrook und wusste offensichtlich nicht mehr weiter. Als unser Notdienst im Bahnhof eintraf, hatte sie sich unter eine Plakatwand zurückgezogen, weil es ihr auf den Treppenstufen wohl zu hektisch geworden war.

Hazel war von Anfang an eine sehr ruhige Taube und wirkte etwas lethargisch, aber sie fraß selbständig, war gut ansprechbar und schien die Ruhe zu genießen. Was auffiel, war der wässrige Kot. Als Hazel nach ein paar Tagen anfing, eine Schiefhaltung des Kopfes zu zeigen, und ein merkwürdiges Bewegungsverhalten, bestätigte sich unser Verdacht:

Hazel hatte Paramyxovirose.

Paramyxovirose ist eine Viruserkrankung unter Vögeln, von der Tauben, aber auch andere Vögel, einschließlich Ziervögel betroffen sind. Sie ist unter Vögeln hochansteckend, deshalb ist es wichtig, ein befallenes Tier separat zu halten und nicht mit gesunden Tieren zusammen zu setzen. 

Die anfänglichen Symptome sind eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme bei gleichzeitigem Rückgang des Futterverbrauchs. Abmagerung und wässriger Kot sind die Folge und erste Hinweise auf die Erkrankung. Im weiteren Verlauf kann es zu Lähmungen der Flügel und der Beine kommen, zu Verdrehungen des Kopfes bis hin zu Überschlägen und Rückwärtsgehen, da die Krankheit das zentrale Nervensystem angreift.

Weil es sich um eine Viruserkrankung handelt, ist eine gezielte Bekämpfung der Erreger nicht möglich. Durch Zugabe von immunstärkenden Präparaten und einem Vitamin-B-Komplex gegen die neurologischen Störungen kann der Krankheitsverlauf lediglich gemildert werden. Bei einem sehr geringen Prozentsatz kommt es zur Selbstheilung, die meisten Tiere aber verenden.

Wichtig: 

Im fortgeschrittenen Stadium sind diese Tauben nicht mehr in der Lage sich selbständig zu ernähren. Sie picken vorbei, oder haben kein Interesse an der Futteraufnahme. Wenn man diese Tiere in Obhut hat, und die Krankheit nicht erkennt, können sie vor dem gefüllten Futternapf verhungern, bzw. man steht kurz oder lang vor der Entscheidung erwachsene Tauben stopfen zu müssen.

Da der Krankheitsverlauf oft sehr unterschiedlich ist, muss jedes Tier sehr genau beobachtet werden, und u. U. muss die Entscheidung getroffen werden, es von seinem Leiden zu erlösen.

Hazel hat das für sich allein entschieden. An dem Tag, als wir sie dem Tierarzt vorführen wollten, ist sie am Morgen verstorben. Eine kluge Entscheidung, denn manchmal gibt es keinen Ausweg, der Tod kann dann auch Freiheit bedeuten…

Hazel hatte noch einige sehr schöne Tage bei uns, auf der Strasse wären noch Hunger, Durst und ev. ein Fußtritt dazugekommen. Wenigstens diesen Stress konnten wir ihr ersparen. Sie konnte in Ruhe sterben.






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